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11. März 2020

#02 Janina Kugel über “Unabhängigkeit”

Ein Gast, eine Stunde, ein Thema. Ex-Siemens-Vorstand Janina Kugel spricht über “Unabhängigkeit”

Es war ihr erster Auftritt nach dem Auslaufen ihres Vertrags als Personal-Vorstand bei Siemens Ende Februar und sie kam gut erholt aus dem Skiurlaub in das Podcast-Studio an der Bleibtreustraße. Janina Kugel, 50 Jahre alt, war fast zwei Jahrzehnte bei Siemens, die letzten fünf Jahre war sie als Mitglied des Vorstands für knapp 380.000 Mitarbeiter weltweit zuständig. Mit Marina Weisband und Michael Bröcker hat Kugel über “Unabhängigkeit” gesprochen, ein Thema, das sie umtreibt und ausmacht. Zu ihrem Ausscheiden bei Siemens und dem Verhältnis zu Vorstands-Chef Joe Kaeser hielt sich Kugel bedeckt. “Die Loyalität zur Firma geht immer vor. Man kann intern viel diskutieren, sich streiten, aber wenn man raus geht, ist das, was entschieden wurde, auch das einzige, was entschieden wurde. Nichts ist schlimmer als wenn Leute hintenrum andere Geschichten erzählen.” Leidenschaftlich warb Janina Kugel für gemischte Teams und einen Führungsstil, der auf Zuhören und nicht auf Zutexten setzt. “Ich bin ein großer Verfechter von Diversity, und nicht im Sinne von Gender, sondern nach Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenzubringen. Die eigene Meinung muss nicht immer das Beste sein, sondern dass, was in einer Diskussion hinten rauskommt. Auch Janina Kugels dunkle Hautfarbe war Thema des Gesprächs, denn für viele junge, schwarze Frauen im Land ist die Managerin ein Vorbild. Auf die Frage von Marina Weisband, wie sehr sie sich in der Öffentlichkeit von der Tatsache frei machen könne, dass sie eine Frau und eine ‘person of color’ ist, sagte Kugel: ”Gar nicht. Wie auch immer wir sozialisiert wurden, hat aus uns gemacht, was wir sind. Dazu gehört, dass ich eine Frau bin, dass ich schwarz bin und das macht was mit einem.” Das Anderssein könne aber auch positiv genutzt werden. Kugel berichtet von einer Freundin, die ihr sagte, dass sie in einem Jugendclub in einem Berliner Kiez bekannt sei. Ein Sozialarbeiter hatte Kugel ausrichten lassen, dass junge Mädchen gesagt hätten: “Wenn die das geschafft hat, schaffe ich es auch.” Das habe sie sehr berührt. Kugel plädierte für mehr Diversität auf allen Etagen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ihr Befund über Deutschland im Jahre 2020:. “Es ist verdammt weiß, verdammt männlich und verdammt alt.” Über die fremdenfeindlichen Übergriffe in Deutschland in den vergangenen Monaten zeigte sich Kugel besorgt und berichtete, dass ihre Eltern mal zu ihr gesagt hätten, dass der Moment kommen könne, in dem sie das Land verlassen müssen. In der Diskussion mit den Zuschauern nach dem Talk meldeten sich zu dem Thema auch die Autorin Düzen Tekkal und der Schauspieler Tyron Ricketts zu Wort. Ein spannender Dialog entwickelte sich. Hören Sie einfach rein! Der nächste Gast von Marina Weisband und Michael Bröcker in der "Überstunde" ist am 23. März Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Überstunde mit Janina Kugel

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